Theater, Theater!
Eine Theater-Komödie um einen Krimi
von Sabine Misiorny und Tom Müller
1 W, 3 M | 1 Deko

INHALT
Es ist der Abend vor der Premiere, am Theater herrscht große Betriebsamkeit: Offene Generalprobe. Gezeigt werden soll ein überaus spannendes Kriminalstück. Der Zuschauerraum ist zum Bersten gefüllt.
Doch der Ersatzschauspieler, der für einen kurzfristig erkrankten Darsteller einspringen soll, ist noch nicht aufgetaucht. Zu allem Übel weiß auch niemand, wie er aussieht, aber seine Rolle soll er perfekt »drauf haben«.
Als nun der zu spät kommende Zuschauer Schmidt irrtümlicherweise für diesen unbekannten Kollegen gehalten und kurzerhand auf die Bühne geschubst wird, wähnt dieser sich in einem Mitmachtheater.
Das Chaos nimmt seinen Lauf: Stichworte bleiben wirkungslos und die Handlung wird immer verrückter. Aber der fernsehgeschulte Laie Schmidt entwickelt sich mehr und mehr zum Krimi-Spezialisten und lässt seine vermeintlichen Kollegen ziemlich alt aussehen.
Als dann auch noch echter Cognac serviert wird mit der Folge, dass sich Doppelmord, private Eifersuchtsszenen und Entgleisungen auf der Bühne mixen, gibt es kein Halten mehr und das Theaterpublikum bricht in helle Begeisterung aus, denn schließlich steht da einer »von ihnen« auf der Bühne, die die Bretter dieser Welt bedeuten …
BESETZUNG
1 weiblich, 3 männlich
FALK WAGNER / STEVEN SMITH: Er ist ein mittelmäßiger Regisseur, der seit Jahren an ebenso mittelmäßigen Provinztheatern inszeniert. Da er glaubt, er sei zu Höherem geboren, geht er bei seinen Inszenierungen mit entsprechender Lustlosigkeit vor, während er auf seinen großen Durchbruch wartet. Er ist ein bisschen cholerisch und dem anderen Geschlecht sehr zugeneigt.
KARIN VAN ALST / LADY THITHERTHOROUGH: Sie ist eine durchschnittliche Schauspielerin, die vergeblich auf den großen Durchbruch wartet. Um ihrer Karriere ein bisschen nach zu helfen, beginnt sie ein Verhältnis mit dem Regisseur. Sie kann nicht improvisieren. Über das Geschehen auf der Bühne denkt sie nicht nach, sondern agiert strikt nach Stichwortmuster. Sie gehört zu den Schauspielern, die jeden Abend »das Gleiche« spielen.
JULIUS C. BRENNER / INSPECTOR CARTER: Er ist ein schmieriger, alternder Provinzschauspieler, der jedoch glaubt, er sei ein großer Star und sich auch allen gegenüber so verhält. Er hat die fürchterliche Angewohnheit, nur ins Auditorium zu spielen und sich erst dann mit dem Geschehen auf der Bühne auseinander zu setzen, nach dem Motto: Erst sprechen, dann sehen. Ein Gutes hat er: Er beherrscht die Improvisation.
STEFAN SCHMIDT / STEVEN SMITH / MARY: Er ist ein ganz durchschnittlicher Zuschauer, der in die missliche Lage gerät, auf der Bühne mitspielen zu müssen. Er ist zurückhaltend bis schüchtern, gewinnt aber im Laufe der Vorstellung an Selbstbewusstsein, bis er am Ende zum „Held des Abends“ wird.
VORHANDENES THEATERPERSONAL:
TECHNIK: Die Person, die die Vorstellung technisch betreut, steht mit ein paar kurzen Sätzen in Kommunikation mit dem Regisseur. Diese Sätze werden vom Techniker gesprochen. Ist der Techniker für das Publikum nicht sichtbar, kann eine Kommunikation über Walkie-Talkie, Interkom o.ä. stattfinden.
SERVICE: Eine Person vom Service (Einlass/Kartenabriss), die die Person SCHMIDT zu Beginn der zweiten Szene in den Zuschauerraum begleitet; stumm.
BÜHNE
Ein Teesalon in einem herrschaftlichen Haus als Bühnenbild in einem Provinztheater
Ein Teesalon in einem herrschaftlichen Haus. Ein Aufgang.
Auf der Bühne befinden sich folgende Möbelstücke: In der Mitte ein Sofa, davor ein Tisch, darauf ein Aschenbecher mit Pfeife; eine kleine, rote Tischdecke; eine kleine Vase mit Wasser und Blumen.
Rechts neben dem Sofa ein Teewagen, darauf ein Teeservice, eine gefüllte Teekanne, ein Teller mit Plätzchen.
Ganz rechts ein Sekretär, darauf ein Brieföffner (Mordwaffe), ein Briefbeschwerer, eine Kerze; in einer Schublade eine Pistole. Im unteren Teil des Sekretärs befinden sich hinter einer Schranktür jede Menge gefüllte, verschlossene Kekstüten.
Ganz links ein Sessel mit einen kleinen Teetisch.
Weitere Requisiten ergeben sich aus dem Zusammenhang des Stückes.
Weitere Aufgänge, Möbelstücke und Dekorationsstücke können nach Belieben eingesetzt werden.
INFORMATIONEN
Uraufführung:
September 2000, Theater an der Luegallee, Düsseldorf
Österreichische Erstaufführung:
Januar 2012, Arnfelser Schlossspiele, A-Arnfels
Schweizerische Erstaufführung:
Dezember 2013, Schlossspiele Spiez, CH-Thun
Aufführungsrechte & Ansichtsexemplar bestellen:
Vertriebsstelle und Verlag (VVB), Norderstedt



PRESSESTIMMEN
Überspannte Mimen, vergiftete Kekse, eine Flasche Kognak und jede Menge Situationskomik sorgen garantiert für gute Laune …
Weiterlesen: Badische Zeitung »
Es geht turbulent zu, vor allem aber derart lustig, dass manch ein Zuschauer während der Premiere einen Lachkrampf bekam. Die Krimi-Persiflage unterhält das Publikum in bester Boulevard-Manier und gibt den Schauspielern die Gelegenheit, ihre Rollen voll auszuspielen …
Weiterlesen: Augsburger Allgemeine »
Der Abend war nicht nur etwas für Theater- und Krimifreunde, sondern einfach für jeden, der gerne lacht …
Weiterlesen: Aachener Nachrichten »
Es zeigt, dass das wahre Leben selbst die größte Satire ist. Genau dieser Aspekt verdeutlicht eine Botschaft: Dass keine Theatersatire an die Irrungen und Wirrungen des wahren Lebens heranreicht. Vermittelt wird diese Botschaft allerdings – dies ist der entscheidende Punkt – durch ein Theaterstück …
Weiterlesen: mittelhessen.de »
Die vor Witz sprühende, prickelnde Inszenierung bereitet den Zuschauern allergrößtes Vergnügen …
Weiterlesen: Dachauer Nachrichten »
»Theater, Theater« bot alles, was eine Komödie braucht: Eine Verwechslungsgeschichte, eine verrückte Handlung, Eifersuchtsszenen, die Folgen des berauschenden Alkohols und einen theatralischen Doppelmord …
Weiterlesen: Helmstedter Nachrichten »
Von der ersten bis zur letzten Minute erlebten die Zuschauer eindrucksvoll, was sich hinter den Kulissen eines Theaters abspielen kann, wenn ein Schauspieler durch einen unbekannten Kollegen zu vertreten ist, und das Publikum davon nichts merken darf …
Weiterlesen: Badische Zeitung »
Da wurden die Empfindlichkeiten von Schauspielern aufs Korn genommen, die platte Komik bemüht und damit für vergnügliche Unterhaltung gesorgt …
Weiterlesen: Einbecker Morgenpost »
Die Komödie von Tom Müller und Sabine Misiorny hat es in sich. Die Kernhandlung ist schlicht gestrickt, spielt aber auf mehreren Ebenen. Die Protagonisten springen munter dazwischen her, liefern sich rasante Wortduelle, die ihren Höhepunkt in zwerchfellerschütternden, akrobatischen Stunts finden …
Weiterlesen: Grafschafter Nachrichten »
PREMIEREN
| 20. November 2026 | Theater, Theater! | GROẞHANSDORF | Theater Hoisdorf |
| 8. November 2025 | Theater, Theater! | RODENBACH | Stein’s Tivoli |
| 26. Oktober 2025 | Theater, Theater! | NEUENMARKT | TIK-Theater |
| 25. Oktober 2025 | Theater, Theater! | PASSAU | Dreiflüssetheater Passau |
| 18. Oktober 2025 | Theater, Theater! | AUGSBURG | TSV Firnhaberau |
| 22. März 2025 | Wat för’n Theater! | SCHLESWIG | Schleswiger Speeldeel |
| 7. März 2025 | Theater, Theater! | ALTENA | Theater auf Draht |
| 25. Oktober 2024 | Theater, Theater! | MÖRSCHIED | Freilichtbühne Mörschied |
| 21. September 2024 | Theater, Theater! | BERLIN | Trinitatis Theatergruppe |
| 20. September 2024 | Theater, Theater! | MICHENDORF | Kleine Bühne Michendorf |
| 24. Mai 2024 | So ein Theater! | CH – ST. URBAN | Hof-Theater |
| 13. April 2024 | Theater, Theater! | HAMBURG | KulturKlinker Barmbek |
| 20. Oktober 2023 | Theater, Theater! | ISERLOHN | [pu:r vu] Parktheater |
| 12. Mai 2023 | Theater, Theater! | VIERSEN | Volksbühne Viersen |
| 27. April 2023 | Theater, Theater! | CH-STANS | TheaterWärch |
| 1. Oktober 2022 | Theater, Theater! | ESSEN | Kleines Theater Essen |
| 12. Februar 2022 | Theater, Theater! | BAD SALZUFLEN | Retzer Bühne |
| 24. Oktober 2020 | Theater, Theater! | ANKLAM | Theater |
| 8. November 2019 | Theater, Theater! | WUPPERTAL | Kirchengemeinde St. Joseph |
| 26. Oktober 2019 | Theater, Theater! | BRÜHL | Kleines Theater Brühl |
| 15. März 2019 | Theater, Theater! | BREMEN | Theater am Deich |
| 29. September 2018 | Theater, Theater! | HOLM | Theaterwerkstatt Holm |
| 21. September 2018 | Theater, Theater! | HAMBURG | Theater an der Marschnerstraße |
| 18. August 2018 | Wat för’n Theoter! | SITTENSEN | Niederdeutsche Bühne |
| 3. Februar 2018 | Theater, Theater! | SEELZE | kleine bühne seelze |
| 2. Februar 2018 | Theater, Theater! | RODENBACH | Stein’s Tivoli |
| 20. Januar 2018 | Theater, Theater! | BAYREUTH | Brandenburger Kulturstadl |
| 27. Oktober 2017 | Theater, Theater! | PFUNGSTADT | TSV Eschollbrücken |
| 21. Oktober 2017 | Theater, Theater! | WIESBADEN | Velvets Theater |
| 31. März 2017 | Theater, Theater! | WUPPERTAL | Theater im Tanzhaus |
| 3. Februar 2017 | Alles nur Theater (Theater, Theater!) | DORMAGEN | Kammertheater Dormagen |
| 25. Januar 2017 | Proben, Pech & Pannen (Theater, Theater!) | BIELEFELD | Komödie Bielefeld» |
| 15. September 2016 | Theater, Theater! | BREMEN | Packhaus-Theater im Schnoor |
| 12. November 2015 | Theater, Theater! | A – GRAZ | Gilles Pugibet Theater-Spielensemble |
| 8. November 2014 | Theater, Theater! | MARKT KRAIBURG AM INN | Theater in der Remise |
| 18. Oktober 2014 | Theater, Theater! | AUGSBURG | Theater in der Frauentorstraße |
| 15. August 2014 | Theater, Theater! (»Kriminaltango«) | CH – ZÜRICH | Kleines Tournee Theater Zürich |
| 18. Juli 2014 | Theater, Theater! (»So ein Theater«) | KIEL | Lore & Lay Theater |
| 2. Januar 2014 | Theater, Theater! | BONN | Theater im Eddies |
| 31. Dezember 2013 | Theater, Theater! | STAUFEN | Auerbachs Kellertheater |
| 30. Dezember 2013 | Theater, Theater! (SCHWEIZERISCHE ERSTAUFFÜHRUNG) | CH – THUN | Schlossspiele Spiez |
| 18. Oktober 2013 | Mann, sooo ein Theater! (Theater, Theater!) | NEU-ULM | Theater Neu-Ulm |
| 19. September 2013 | Theater, Theater! | AACHEN | Theater Brand |
| 9. Mai 2013 | Theater, Theater! | BERGKIRCHEN | Hoftheater |
| 31. Dezember 2012 | Theater, Theater! | ESSEN | Kleines Theater Essen |
| 8. Dezember 2012 | Theater, Theater! | BAD SÄCKINGEN | Theatergruppe Liederkranz Rippolingen e.V. |
| 19. Oktober 2012 | Theater, Theater! | BAD BENTHEIM | Young Boulevard |
| 19. Oktober 2012 | Theater, Theater! | EINBECK | Komödie am Rhein (Bonn) |
| 5. Januar 2012 | Theater, Theater! (ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG) | A – ARNFELS | Arnfelser Schlossspiele |
| 30. Juli 2010 | Theater, Theater! | DORMAGEN | Galerie Theater Zons |
TEXTAUSZUG
Auszug aus dem ersten Akt
(…)
Regisseur: Also, Kinder, bitte auf eure Positionen.
Brenner: (zum Regisseur) Du, entschuldige, Falk, wo wir schon einmal unterbrochen haben …
Regisseur: (versucht sich zu beherrschen) Was kann ich noch für dich tun?
Brenner: Es dauert auch nur eine Minute. Ich hoffe, die Zeit haben wir noch.
Regisseur: (ironisch) Aber natürlich. Das Stück hat ja nur 120 Seiten und wir sind doch schon auf Seite sieben!
Brenner: Danke, Falk. Wenn ich mir gleich den Mantel ausziehe, wäre es nicht viel besser, dass ich ihn nicht über den rechten, sondern über den linken Arm lege? Du weißt, ich kann mit rechts besser gestikulieren!
Regisseur: (ist währenddessen auf die Bühne zurückgekommen, langsam und bedrohlich auf Brenner zugegangen, steht jetzt direkt vor ihm und brüllt) Es ist mir völlig egal, was du mit dem Mantel machst, und wenn du ihn verbrennst! (sich beherrschend) So, Kinder, können wir jetzt? (geht von der Bühne in den Zuschauerraum) Noch mal von der gleichen Stelle. Karin.
Karin: Mein Stichwort?
Regisseur: (sieht ins Textbuch) »Ja, das meine ich, Lady Thitherthorough.«
Karin als Lady T.: Wissen Sie, Herr Inspector, was ich immer noch nicht ganz verstehe: Am Telefon hat man mir gesagt, es würde mindestens drei Stunden dauern, bis jemand kommen würde, doch Sie waren bereits nach zwanzig Minuten hier.
Brenner als Inspector: Tja, Lady Thitherthorough, das war so … Also, ich war zufällig in der Gegend, und ich wurde über Funk von der Zentrale benachrichtigt, dass es hier einen Toten geben würde.
Regisseur: (zu sich) Na also, geht doch.
Karin als Lady T.: Das erklärt natürlich alles.
Brenner als Inspector: (steht auf) Nun, Lady Thitherthorough, ich habe ein paar Fragen an Sie. (Er zieht den Mantel aus und hängt ihn über den linken Arm)
Karin als Lady T.: Ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung, Inspector.
Brenner: (zum Regisseur) Siehst du. Das geht viel besser so. (Er deutet auf den Mantel über dem linken Arm)
Regisseur: (genervt) Spiel weiter!
Brenner als Inspector: Hatten Sie vorhin Besuch, Lady Thitherthorough?
Karin als Lady T.: Nein, wie kommen Sie darauf?
Brenner als Inspector: Diese Pfeife! (ohne hinzusehen, nimmt er die Pfeife aus dem Aschenbecher und hält sie ihr hin) Wem gehört sie?
Regisseur: Nein. Stop!
Karin als Lady T.: Sie gehört … Sie gehörte Charles, meinem Mann.
Regisseur: (brüllt) Stop!!!
Brenner: Was ist denn? Wie sollen wir denn so in Spielfluss kommen?
Regisseur: Was machst du denn da schon wieder?
Brenner: Was mache ich denn?
Regisseur: Die Pfeife! Du musst die Pfeife doch erst einmal sehen, bevor du Bezug auf sie nimmst.
Brenner: Aber ich habe sie doch gesehen.
Regisseur: Wir hier unten haben aber nicht gesehen, dass du sie gesehen hast. Du musst erst die Pfeife ansehen, dann deine Frage stellen, dann die Pfeife in die Hand nehmen und dann auf die Pfeife eingehen.
Brenner: Das ist ja fürchterlich!
Regisseur: Was ist daran fürchterlich?
Brenner: Das würde dann ja so aussehen:
(Er legt die Pfeife zurück in den Aschenbecher, sieht Karin an, sieht dann auf die Pfeife) Hatten Sie Besuch, Lady Thitherthorough?
Karin als Lady T.: Nein, wie kommen Sie darauf?
Brenner: (nimmt die Pfeife in die Hand) Diese Pfeife. Wem gehört sie? (Er wendet sich zum Regisseur)
Regisseur: Wunderbar! Genau das ist es!
Brenner: Aber das Publikum kann doch gar nicht mein Gesicht sehen, wenn ich während des Textes so agiere.
Regisseur: Was hast du gegen ein Halbprofil?
Brenner: (eitel) Gefällt dir mein Halbprofil?
Regisseur: (energisch) Professionalität ist gefordert! Wenn es darum ginge, Schmierentheater abzuliefern, dürftest du gerne jedes einzelne Wort ins Auditorium sprechen. Aber hier geht es um einen spannenden Krimi. Also bitte mit ein bisschen Natürlichkeit!
Karin: (schnippisch) Das ist seine Natürlichkeit!
Brenner: (abschätzig) Schätzchen, über schauspielerische Qualitäten müssen wir beide uns ja wohl nicht unterhalten.
Karin: (giftig) Meinst du, Schätzchen? (Hilfe suchend zum Regisseur) Falki!
Regisseur: (wendet sich schnell von ihr ab, ruft die Technik) Kannst du den einen Scheinwerfer in der Mitte einen kleinen Tick heller machen?
Karin: (energisch) Falk!
Regisseur: (zur Technik) Das war schon zuviel! Wieder einen Tick dunkler!
Brenner: (süffisant) Wie es scheint, Schätzchen, hat er Wichtigeres zu tun als sich mit deinen kleinen Problemen herumzuschlagen.
Regisseur: (zur Technik) So ist gut! – Also Kinder, können wir dann? Noch mal ab der Pfeife. Und: Bitte!
Brenner als Inspector: Diese Pfeife. Wem gehört sie?
Karin als Lady T.: Sie gehört … Sie gehörte Charles, meinem Mann.
Brenner als Inspector: Sie ist noch warm, Lady Thitherthorough.
Karin als Lady T.: (unsicher) Nun … Vermutlich muss mein Mann kurz vor seinem Tod … noch hier unten gewesen sein, um seine … allabendliche Pfeife zu rauchen.
Brenner als Inspector: Er hat hier unten geraucht und dort oben gelesen? Das ist doch etwas eigenartig, nicht wahr?
Karin als Lady T.: Aber nein, Inspector. Er wollte nicht, dass in der Bibliothek geraucht wird. Er befürchtete, der Rauch könnte seinen Büchern schaden.
Brenner als Inspector: Hatte Ihr Mann Feinde, Lady Thitherthorough?
Karin als Lady T.: Nein.
Brenner als Inspector: Also müssen wir davon ausgehen, dass niemand ein Motiv hatte, ihn zu ermorden.
(Pause)
Regisseur: Karin?
Karin: Ich verstehe das nicht.
Regisseur: (sieht ins Textbuch und souffliert ihr) »Niemand.«
Karin: Ihr versteht es auch nicht?
Regisseur: Nein. Das ist dein Text: »Niemand«.
Karin: Ich weiß. Aber ich verstehe das nicht.
Regisseur: (rauft sich die Haare, kommt auf die Bühne) Was verstehst du nicht? Er fragt dich, ob jemand ein Motiv hat, ihn umzubringen, und du antwortest: Niemand.
Karin: Nein. Ich verstehe nicht, welches Motiv er hatte, ihn umzubringen.
Regisseur: (lauter) Du musst es auch nicht verstehen. Du weißt nämlich gar nicht, dass er der Mörder ist.
Karin: Ja, aber welchen Sinn macht es, seinen eigenen Vater umzubringen? Und warum sollte er sich als Mörder später mit der Polizei auseinandersetzen?
Regisseur: (noch lauter) Ich weiß es nicht! Ja, ich gestehe, ich weiß es nicht. Aber es ist doch auch völlig egal. Niemanden wird das mehr interessieren, wenn der Inspector am Ende tot ist!
Karin: Ich wollte ja nur eine Erklärung …
Regisseur: (stark gereizt, bis er am Ende brüllt) Du möchtest eine Erklärung? Also gut. Ich erkläre dir, dass wir seit einer halben Stunde an der Seite sieben probieren, und wenn wir in diesem Tempo weitermachen, sind wir Ostern immer noch nicht fertig. Reicht dir das als Erklärung?
(…)
Einige Minuten und ein paar Seiten später …
(…)
Brenner als Inspector: Oh, Plätzchen!
Regisseur: Halt. Stop.
Brenner: (empört) Was habe ich jetzt schon wieder gemacht? Ich habe die Kekse gesehen!
Regisseur: Nein, nicht du. Karin!
Karin: (fassungslos) Ich?
Regisseur: Was machst du mit dem Teewagen da?
Karin: (provokant) Ich muss die Kerze vom Sekretär nehmen und sie auf den Teewagen stellen.
Regisseur: Aber doch nicht jetzt! Vorher. Du musst den Teewagen doch beim Inspector stehen lassen, damit er sich einen Keks vom Teller nehmen kann.
Karin: (gereizt) Das habe ich doch gemacht. (unschuldig) Habe ich das nicht gemacht?
Regisseur: Hätte ich sonst unterbrochen?
Karin: (kleinlaut) Ich dachte, das hätte ich gemacht.
Regisseur: Würde der Teewagen dann da stehen? Du musst mit dem Teewagen hier herum gehen. Du nimmst die Kerze, stellst sie auf den Teewagen, gehst damit weiter zum Inspector, schenkst ihm Tee ein und gehst dann ohne Teewagen wieder zurück.
Karin: (herunter spielend) Ist das nicht völlig egal?
Regisseur: (genervt) Nein, denn sonst kommt der Inspector ja nicht an die Kekse.
Brenner: (richtet sich im Sessel auf) Apropos, wo wir schon einmal unterbrochen haben und du die Sache sowieso gerade ansprichst, Falk: Wir müssen uns etwas wegen der Kekse einfallen lassen.
Regisseur: Wie meinst du das?
Brenner: Naja, ich meine … Niemand muss ja hier die Kekse essen, abgesehen von mir. Aber weißt du, wenn ich sie esse … Sie schleimen immer so ein, verstehst du?
Regisseur: (ironisch) Du willst etwas anderes als die Kekse, ja? Ist es das? Was hättest du denn gerne? Einen Krabbencocktail?
Brenner: (lacht) Ein Scherz. Auch wenn die Einladung sehr verlockend ist, das wäre doch ein bisschen unglaubwürdig.
Regisseur: So, das wäre also ein bisschen unglaubwürdig. Hast du einen besseren Vorschlag?
Brenner: Nun ja, wenn du mich schon fragst … Wie wäre es mit Oblaten?
Regisseur: (gereizt) Oblaten? Oblaten?
Brenner: Nun ja … Sie lösen sich eben einfach im Mund auf und schleimen nicht ein, verstehst du?
Regisseur: (geht langsam auf den sitzenden Brenner zu, sehr gereizt) Habe ich das richtig verstanden? Du möchtest Oblaten?
Brenner: Wenn es dir nichts ausmacht!
Regisseur: (beugt sich zu Brenner herunter – Nase an Nase – kurz davor, auszurasten, brüllt) Und wenn es das Letzte ist, was ich hier noch zu entscheiden habe: Du wirst diese verdammten Kekse essen!
Brenner: (ist zurück geschreckt, beleidigt) Dann beschwer dich aber bitte hinterher nicht, wenn ich bis in die vierte Reihe spucke.
Regisseur: (reißt sich sehr zusammen, sucht nach einer guten Begründung gegen die Oblaten, hat sie gefunden, spricht ganz ruhig, wie zu einem kleinen Kind)Also gut, Julius. Ich will es dir einmal so erklären: Weißt du, die Kekse sind vergiftet. Mit Arsen. Und Oblaten absorbieren Arsen. Hast du das nicht gewusst?
Brenner: (völlig überrascht) Nein, Falk, das habe ich tatsächlich nicht gewusst! Danke! Man lernt doch nie aus!
Regisseur: Und nun wieder zurück zu dir, Karin. Meinst du, du bist in der Lage, den Teewagen erst am Sekretär vorbeizuschieben und dann zum Inspector?
Karin: Es tut mir leid, Falki, aber du weißt, dass ich mich immer ein bisschen schwer tue, solche Abläufe im Kopf zu behalten.
Regisseur: Du solltest es aber tun, denn sonst kommt der Inspector nicht an die Kekse, ergo wird er nicht vergiftet, ergo wird er nicht sterben, ergo wird dieser verdammte Krimi nicht aufgehen. Also tu mir bitte den Gefallen und mach es so, wie wir es seit Wochen probieren. Ja, Schätzchen?
Karin: Ist gut, Falk. (Sie schiebt den Teewagen wieder auf die Anfangsposition.)
Regisseur: Also Kinder, noch mal ab Lady Thitherthorough: »Darf ich Ihnen ein Tässchen Tee anbieten?«
Karin: Stichwort?
Regisseur: (verdreht die Augen, sieht ins Textbuch) »Ablage gelegt.«
Karin als Lady T.: Inspector! Darf ich Ihnen ein Tässchen Tee anbieten?
Brenner als Inspector: (lässt seine Tasse schnell hinter dem Sessel verschwinden) Da sage ich nicht nein, Lady Thitherthorough.
Regisseur: Halt! Stop! (zu Brenner) Nimm die Tasse weg.
Brenner: Aber sie ist doch schon weg.
Regisseur: Erstens steht sie uns allen im Weg, und zweitens kannst du sie doch nicht einfach wegstellen und so tun, als hättest du sie gar nicht gehabt. Also komm, Karin, stell die Tasse auf den Wagen und dann noch mal von der gleichen Stelle.
Karin: (stellt die Tasse auf den Teewagen) Stichwort?
Regisseur: (sich stark beherrschend) »Gelegt.«
(…)
Ende des Textauszuges